Der Stadtumbau bleibt weiterhin die wichtigste städtebauliche Antwort auf den demographischen und wirtschaftlichen Strukturwandel. Mit dem Programm „Stadtumbau Ost – für lebenswerte Städte und attraktives Wohnen“ soll die Lebens-, Wohn- und Arbeitsqualität in ostdeutschen Städten und Gemeinden nachhaltig gesichert und erhöht werden.

Das Programm „Stadtumbau Ost“ ist Bestandteil der Bund-Länder-Programme zur Städtebauförderung. Seit 2002 bis einschließlich 2013 wurden insgesamt mehr als 2,7 Mrd. Euro für den Stadtumbau zur Verfügung gestellt. Seit Beginn des Programms werden über 460 Städte und Gemeinden mit fast 1.100 Stadtumbaugebieten gefördert.

Das Stadtumbaugebiet Leipziger Westen

Der konzeptionelle Ansatz im Stadtumbau hat Leipzig zum Vorreiter für zahlreiche andere Städte werden lassen. Leipzig versuchte frühzeitig, dem Wohnungsleerstand mit einer gesamtstädtischen Strategie entgegen zu steuern. In mehreren Schritten wurden integrierte Entwicklungskonzepte für die verschiedenen städtischen Teilräume sowie für die fachlichen Ressorts erarbeitet und in einem übergeordneten integrierten Stadtentwicklungskonzept „Leipzig 2020“ (SEKo 2020) zusammengeführt. Exemplarisch dafür steht der Schwerpunktraum Leipziger Westen, der in seiner Ausgangssituation städtebaulich geprägt war von einer Vielzahl denkmalgeschützter (Industrie-) Bauten, aber auch von Ruinen, hohem Leerstand und soziodemographischen Problemlagen. Ein wichtiger Schwerpunkt des Stadtumbaus liegt hier darauf, „Initiativen von unten“ zu ermöglichen und zu unterstützen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Leipzig die viertgrößte Stadt Deutschlands mit einer prosperierenden und vielfältigen Wirtschaftsstruktur. Während der DDR-Zeit erfuhr die Stadt einen zunehmenden wirtschaftlichen und städtebaulichen Niedergang. Zwischen 1960 und 1990 sank die Einwohnerzahl von ca. 590.000 auf ca. 511.000. Die Stadt prägenden gründerzeitlichen Quartiere wurden weitgehend sich selbst überlassen und verfielen in Teilen. Nach der Wende 1989 nahmen die Einwohnerverluste zunächst weiter zu: 1998 lebten noch 437.000 Einwohner in Leipzig. Fast jede fünfte Wohnung stand leer, in den Gründerzeitquarieren lagen die Leerstandsquoten teilweise bei über 70 Prozent.

Dies veranlasste die Stadt Leipzig im Jahr 1999, den Strategieprozess „Neue Gründerzeit“ zu starten, der im Jahr 2000 in den „Stadtentwicklungsplan Wohnungsbau und Stadterneuerung“ (STEP W+S) mündete. Der STEP W+S war Wegbereiter für den Start des Programms Stadtumbau Ost in Leipzig. 2009 wurde schließlich das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (SEKo 2020) beschlossen, welches die Ziele der Fachkonzepte mit den übergeordneten strategischen Zielen der Kommunalpolitik verbindet.

Angesichts des großen Handlungsbedarfs und der begrenzten kommunalen Finanzmittel wurden im SEKo 2020 fachübergreifende Schwerpunkträume eingegrenzt, in denen der gebündelte Einsatz von Ressourcen besonders dringlich und zugleich erfolgversprechend erscheint. In zwei der am stärksten von sozialen und städtebaulichen Problemlagen betroffenen Stadtgebieten, dem Leipziger Osten und dem Leipziger Westen, wurden die strategischen Ansätze auf teilräumlicher Ebene durch konzeptionelle Stadtteilpläne (KSP) untersetzt. Die KSPs als informelle Pläne beinhalten Zielstellungen und fachübergreifende Aussagen zur mittel- bis langfristigen Entwicklung des Plangebietes, mit denen öffentliche und private Investitionen besser gesteuert werden können.

Das maßgebliche Entwicklungspotenzial des Leipziger Westens liegt in der vielfältigen Mischung von Nutzungen, großen Gewerbebrachen sowie der Lage an der Elsteraue. Entwicklungshemmnisse sind die trotz erheblicher Sanierungsanstrengungen verbliebenen baulichen und städtebaulichen Defizite. Durch die gezielte Überlagerung des Stadtumbau Ost-Gebietes mit den Programmgebieten der Städtebaulichen Erneuerung (Sanierungsgebiete) und den integrierten Programmen Urban II sowie EFRE Stadtentwicklung wurde eine Bündelung der Förderansätze möglich.

Der Einsatz der Stadtumbaumittel erfolgte mit dem Fokus auf der Unterstützung von Eigentümeraktivitäten in abgegrenzten Interventionsbereichen sowie auf der Umsetzung der Ziele des Fachkonzeptes Wohnen (v.a. Förderung von Gebäudesicherung, Eigentumsbildung und Zwischennutzungen in Gebäuden, aber auch auf freigelegten Flächen und in Baulücken).

Programmgebiet West (Altgebiet)

Seit 2003 wird Stadtumbau Ost im Programmgebiet West umgesetzt. Ein Schwerpunkt im Programmgebiet bildete die Durchführung umfangreicher Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen Gemeinbedarfseinrichtungen (Schulen, Kitas). Die Förderung kultureller und soziokultureller Einrichtungen im Gebiet wirkte sich zudem positiv auf das Freizeitangebot aus und stärkte die Anziehungskraft des Gebietes. Zahlreiche Ordnungsmaßnahmen und höherwertige Grüngestaltungen mit befristeter öffentlicher Nutzung beseitigten manchen Schandfleck und erhöhten die Wohn- und Aufenthaltsqualität nachhaltig. Durch Grüngestaltungsmaßnahmen öffentlicher Bereiche und das Herstellen von Wegebeziehungen wurde die Attraktivität des Stadtteils weiter erhöht und für die Nutzung durch Familien mit Kindern attraktiv (z.B. Gestaltung Bahnschneise Eythraer Str., Böschungssanierung Karl-Heine-Kanal). Ebenso positive Effekte wurden durch Sanierungsmaßnahmen an privaten Wohngebäuden, insbesondere an Hauptverkehrsstraßen erzielt. Durch Sicherungsmaßnahmen konnten städtebaulich und denkmalpflegerisch bedeutsame Gebäude erhalten werden.

Die Förderung verschiedener Beauftragtenverträge (z.B. zur investitionsvorbereitenden Unterstützung von Selbstnutzer- und Wächterhäuseraktivitäten) trug zum Erhalt der Gebäudesubstanz in Zeiten von Schrumpfungsprozessen und zum Erhalt preiswerten Wohnraums für verschiedene Nutzergruppen bei. Insbesondere der Selbstnutzeransatz zur Eigentumsbildung in der inneren Stadt konnte durch den Neubau von Stadthäusern in bestehenden Quartieren junge Familien mit Kindern anziehen. Ein Stadtumbaumanagement wurde im Jahr 2013 installiert. Im Jahr 2015 läuft die Förderung im Programmgebiet West planmäßig aus.

Aufwertungsgebiet Leipzig West (Neugebiet)

Im Jahr 2012 erfolgte gemäß den Vorgaben der Fördermittelgeber Bund und Freistaat Sachsen die Verkleinerung des bisherigen Fördergebietes West auf einen Kernbereich, in dem es weiterhin Handlungsbedarf gibt – erweitert um den Bereich des Lindenauer Hafens. Im neuen Fördergebiet „Aufwertungsgebiet Leipzig West“ läuft zwischenzeitlich die Maßnahme Lindenauer Hafen mit Baufeldvorbereitung, Leitungsumverlegung, Freianlagenbau und Brückenbau, deren Umsetzung überregionale Wirkung hat. Die Planungsmaßnahmen für die Demmeringstraße im Abschnitt zwischen Merseburger Straße und Cranachstraße wurden 2013 beendet. Der Straßenabschnitt wird im Jahr 2014 gebaut. Die Planungen für den zweiten Bauabschnitt Demmeringstraße, zwischen Plautstraße und Eisenbahnüberführung, haben begonnen. Neu im Programm Stadtumbau Ost wurden seit 2013 akteursorientierte Kleinmaßnahmen im Rahmen des Verfügungsfonds Leipziger Westen gefördert. Seit 2013 wird für ein 43 ha großes Stadtquartier in Lindenau – Plagwitz ein Konzept zur Energetischen Stadtsanierung im Rahmen des KfW-Programms 432 erarbeitet. Ein spezieller Sanierungsmanager soll ab 2015 die Umsetzung der Maßnahmen begleiten.

Weitere Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten:
Stadt Leipzig
Infos zum Programm auf den Seiten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Informationsportal Stadtumbau Ost