Die Sanierung der Plagwitzer Heilandskirche wird auch 2017 aus dem Förderprogramm Stadtumbau Ost unterstützt. In einem dritten Bauabschnitt werden nun die Ostfassade sowie die angrenzende Turmfassade erneuert. Dazu gehören Maurer- und Putzarbeiten sowie Bleiglasarbeiten an verschiedenen Fenstern. Vier Evangelisten-Skulpturen aus Sandstein auf der Ostseite werden abgenommen, gereinigt und aufgearbeitet.

Bereits 2013 und 2014 wurden in einem ersten Bauabschnitt die maroden Dächer der Kirche und ihrer Nebengebäude saniert, 2016 begann die Sanierung der teilweise stark beschädigten Fassade, gefördert ebenfalls aus dem Programm Stadtumbau Ost.

Das Kirchengebäude

Die denkmalgeschützte evangelisch-lutherische Heilandskirche liegt in der Nähe des alten Ortskerns von Plagwitz, schräg gegenüber dem ehemaligen Rathaus. Erbaut wurde sie als sogenannte Saalkirche in den Jahren 1886 bis 1888 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Johannes Otzen. Damals war Plagwitz noch nicht nach Leipzig eingemeindet, aufgrund der Industrialisierung aber bereits stark gewachsen und benötigte eine eigene Kirche. Ihren heutigen Namen erhielt die Heilandskirche erst 1916, bis dahin hieß sie einfach „Kirche Plagwitz“.

In den frühen 1980er Jahren erfolgte der letzte größere Umbau der Kirche. Dabei entstand auch eine bauliche Besonderheit: auf Höhe der Empore wurde eine Zwischendecke eingezogen. Dadurch entstand nicht nur ein neues Erdgeschoss, sondern das gesamte Kirchenschiff wurde in seinem Charakter wesentlich verändert. Der größte Teil des neu entstandenen Erdgeschosses wurde von der Landeskirche als Archivraum genutzt und stand daher für die eigene Kirchgemeinde nicht zur Verfügung.

Wegen des schlechten Bauzustandes der Kirche wurde in den letzten Jahren eine Sanierung der Außenhülle – also der Dächer und Fassaden – nötig. Da die Heilandskirche ein wichtiger Anlaufpunkt für kirchliche und kulturelle Aktivitäten der Kirchgemeinde Lindenau-Plagwitz ist, wurde ihre Erhaltung in das 2012 vom Stadtrat beschlossene städtebauliche Entwicklungskonzept Stadtumbau Ost aufgenommen.


Heilandskirche
Heilandskirche_heute

 Bauzeit für den 3. Bauabschnitt der Sanierung

April 2017 bis September 2018

Kosten

Die Finanzhilfen von Land und Bund für den dritten Bauabschnitt belaufen sich auf 400.000 Euro, die Stadt schießt Eigenmittel in Höhe von 60.000 Euro zu, der Eigenanteil der Evangelischen Landeskirche Sachsen beträgt 140.000 Euro und rund 67.000 Euro kommen von der Kirchgemeinde.

Weitere Planungen der Gemeinde

Parallel zur Dach- und Fassadensanierung plant die Kirchgemeinde den Aufbau eines Gemeindefamilienzentrums. Hier kommen nun die durch den Einbau der Zwischendecke in den 1980er Jahren entstandenen Erdgeschossräume ins Spiel – sie bieten ganz neue Nutzungsmöglichkeiten. Daher hat der Kirchenvorstand der Landeskirche mitgeteilt, die Fläche des Archives zukünftig für eigene Aufgaben nutzen zu wollen. Neben den Räumen für das geplante Gemeindefamilienzentrums wird ein weiterer großer Gemeinschaftsraum für die kirchgemeindliche KiTa benötigt.

Nachdem die Landeskirche dem Auszug des Archivs zugestimmt hatte, konnten schon mit der Fassadensanierung die baulichen Voraussetzungen für die neue Nutzung des Erdgeschosses geschaffen werden: im Erdgeschoss wurden 16 Fenster und 2 Türen eingebaut.

Die großen äußerlichen Veränderungen der Kirche haben aber auch Folgen für ihre Innenräume. Durch den Einbau der Fenster im Erdgeschoss mussten die Küche und das WC entfernt werden. Ohne diese Räume funktioniert natürlich ein Begegnungs- und Beratungszentrum nicht; der Innenbereich der Kirche ist daher im jetzigen Zustand nur bedingt nutzbar und wenig einladend. Damit die Heilandskirche ein Treffpunkt für die Menschen im Stadtteil werden kann, will die Kirchgemeinde mit der Unterstützung von Landeskirche, Stadt, Land und Bund das Erdgeschoss ausbauen.

Dazu wurde von Januar bis April 2017 ein Architektenwettbewerb ausgelobt, um ein überzeugendes beuliches Konzept zu finden, mit dem die Voraussetzungen für ein vielfältig nutzbares, für alle offenes und damit lebendiges Gemeindezentrum geschaffen werden kann. Nach angeregter Diskussion wurde in der Jurysitzung am 27.04.2017 das Büro LINK Architekten als klarer Sieger gekürt. Deren Entwurf gelingt es überzeugend, dem Wunsch nach einer offenen und zugleich einladenden Atmosphäre nachzukommen. Das Konzept ermöglicht zugleich vielfältige, flexible Raumbeziehungen und bietet den Umständen entsprechend großzügige Platzverhältnisse. Die in fließender Raumfolge konsequent umgesetzte Ausrichtung an einer zentralen Achse wird dem Kirchengebäude gerecht.

Mit den Architekten soll nun zügig der Wettbewerbsentwurf in die Vorplanung überführt werden, um damit die Voraussetzungen für einen Fördermittelantrag zu schaffen. Dieser soll noch im Juli 2017 bei den potentiellen Geldgebern und Unterstützern eingereicht werden.