Ziel des neuen Bund-Länder-Programms ist die Stärkung von zentralen Versorgungsbereichen im Stadtzentrum bzw. für Stadtteilzentren, die durch Funktionsverluste, insbesondere gewerblichen Leerstand und Wohnungsleerstand bedroht und betroffen sind. Im Mittelpunkt der Förderung stehen städtebauliche Maßnahmen zum Erhalt und Weiterentwicklung dieser zentralen Bereiche als Standorte für Wirtschaft und Kultur sowie als Orte zum Wohnen, Arbeiten und Leben.

SOP-Gebiet Georg Schwarz-Straße

Die Georg-Schwarz-Straße verläuft im Westen Leipzigs durch die Stadtteile Leutzsch und Lindenau. Die ca. 2,5 Kilometer lange Geschäftsstraße ist eine wichtige Verkehrsachse, an der sich Ladenlokale und öffentliche Einrichtungen (u.a. Schulen, Krankenhaus, Rathaus Leutzsch) konzentrieren. Die Kombination aus der hohen Verkehrsbelastung und einem gleichzeitigem Verlust der Versorgungsfunktion und Zentralität führte zu Bedeutungsverlusten. Mängel im Erscheinungsbild, unsanierte Bausubstanz und hohe Leerstandsquoten in den Geschäften und angrenzenden Wohnquartieren kennzeichnen das Stadtteilzentrum entlang der Magistrale. Diesen Problemen wird mit Mitteln des Zentrenprogramms entgegengewirkt.

Die Georg-Schwarz-Straße – eine Magistrale mit Entwicklungsperspektive

Unter den Leipziger Magistralen nimmt die Georg-Schwarz-Straße eine Sonderstellung ein:

Auf der einen Seite steht ein extrem enger Straßenraum mit deutlichen Defiziten in der Verkehrsorganisation und im Erscheinungsbild. Auf der anderen Seite werden mittlerweile die Potentiale der angrenzenden Wohngebiete im Sog der allgemeinen Konsolidierung des Leipziger Westens erkannt, entdecken Pioniernutzer die Straße für sich. Erste Projekte wurden durch Akteure vor Ort bereits angeschoben. Das Gewichtigste dabei ist die geplante Sanierung der Karrees gegenüber dem Diakonissenkrankenhaus. Die Stadtbau AG entwickelt hier ein neues Quartier: das „Brunnenviertel“. Die fast komplett leer stehenden gründerzeitlichen Wohnhäuser werden abschnittsweise saniert. Vorgesehen sind verschiedene Wohn- und Eigentumsformen. Bereits angelaufen ist die Reaktivierung leer stehender Gebäude bzw. ungenutzter Ladenlokale.

Planungs- und Abstimmungsprozess zum Entwicklungskonzept

Seit 2008 Stadt und lokale Akteure zusammenfanden, um erste Ideen zur Revitalisierung der Magistrale zu entwickeln, entstand in einem 2-jährigen Planungs- und Abstimmungsprozess ein städtebauliches Entwicklungskonzept – zunächst ein Grob- und später das jetzt vorliegende Feinkonzept. In drei großen Workshops und 11 Sitzungen der drei thematischen Arbeitsgruppen Gebäude, Verkehr und Städtebau/Freiraum haben sich Stadt (Fachämter, LVB) und Stadtteilakteure (Diakonissenkrankenhaus gGmbH, Stadtbau AG, Haushalten e.V., kunZstoffe e.V., Lindenauer Stadtteilverein e.V., BürgerVerein Leutzsch e.V.) mit den Mängeln und Potentialen der Magistrale auseinandergesetzt und zu Zielen und Maßnahmen verständigt. Die Steuerung und Vernetzung der Arbeitsgruppen erfolgte durch ein sog. Kernteam, bestehend aus ASW, SPA, HausHalten., kunZstoffe, Lindenauer Stadtteilverein und BürgerVerein Leutzsch. Es besteht Konsens darüber, dass der begonnene Prozess fortgeführt werden muss.

Magistralenentwicklung Georg-Schwarz-Str. – ein akteursbezogener Ansatz

Mitte 2011 wurde das Magistralenmanagement eingerichtet. Es hat die Funktion eines Zentrenmanagements und ist ein Kooperationsprojekt zwischen einem Planungsbüro, dem Lindenauer Stadtteilverein und dem Verein kunZstoffe und agiert im Auftrag der Stadt. Dadurch gelingt es, die Interessen des Stadtteils unmittelbar in die Programmsteuerung einfließen zu lassen. Die Aufgabe des Magistralenmanagements besteht darin, privates Engagement zu aktivieren, Akteure zu vernetzen und sie in die Zentrenentwicklung einzubinden. In einem gemeinsamen Prozess sollen Leerstände abgebaut, die Funktionsvielfalt entlang der Straße gestärkt und der Stadtteil insgesamt stabilisiert werden. Das Magistralenmanagement versteht sich als Vermittler zwischen den Interessen der unterschiedlichen Akteure. Im Gebiet hat sich ein vielfältiges Akteursnetzwerk entwickelt und etabliert, das aus privaten Investoren, verschiedenen Vereinen, Gewerbetreibenden, Bewohnerinnen und Bewohnern, Vertretern der Stadtverwaltung und Grundstückseigentümern besteht. Ziel ist, eine „Stadtteilentwicklung von unten“ zu fördern und das vorhandene Engagement zu stärken, zu steuern und nachhaltig zu sichern. Deshalb stellt die Unterstützung von Einzeleigentümern und von Hausprojekten, die in Eigenregie Gebäude sanieren und selbst nutzen wollen, einen Schwerpunkt der Arbeit des Magistralenmanagements dar. Als Anlaufstelle vor Ort wurde ein Büro des Magistralenmanagements eingerichtet, in dem mehrmals in der Woche regelmäßige Sprechstunden angeboten werden. Wichtige Kommunikationsmedien sind darüber hinaus die Internetseite Georg-Schwarz-Straße, der monatliche Newsletter, der auch in gedruckter Form verteilt wird, regelmäßige persönliche Besuche der Magistralenmanagerin bei Gewerbe und Handel, Informationsstände zu wichtigen Festen im Leipziger Westen und die offenen Themenabende. Das Magistralenmanagement koordiniert auch den Verfügungsfonds und organisiert regelmäßige Treffen des Magistralenrats (Vergabegremium für den Verfügungsfonds) und des Kernteams (Lenkungsgruppe aus Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen). Es ist gelungen, ein partnerschaftliches Verhältnis zu den relevanten Akteuren aufzubauen und sich als wichtiger Ansprechpartner im Stadtteil zu etablieren.

Umsetzungsstand 2014

Auf Grundlage des städtebaulichen Entwicklungskonzepts Georg-Schwarz-Straße (GSS) nach § 171 b Abs. 2 BauGB, Beschluss vom 22. Juni 2011, wird das Programm in den Schwerpunktbereichen  „Brunnenviertel“, „Einmündung Merseburger Straße“ und „Stadtteilzentrum Leutzsch“ bis 2017 umgesetzt.

Die Georg-Schwarz-Straße ist eine Hauptverkehrsstraße mit mäßiger MIV-Belastung aber dennoch hohen Lärmwerten, hauptsächlich aufgrund des dichten Straßenbahnverkehrs in einem engen Straßenquerschnitt.

Die gute ÖPNV-Anbindung ist auf der anderen Seite ein Potential, welches zur Entwicklung genutzt werden kann. In einem Integrierten Verkehrskonzept wurden 2012 Maßnahmen zur Nutzung dieser Potentiale und zur Lösung der Konflikte zwischen Verkehrsarten erarbeitet. Ziel ist es, im Sinne einer ‚Stadt der kurzen Wege‘ die Attraktivität für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer zu erhöhen. Zentralk ist dabei auch die Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer Menschen. In Umsetzung des Konzeptes stehen ab 2014 Maßnahmen im öffentlichen Raum im Fokus.

Die Attraktivitätssteigerung führt in Kombination mit einer gezielten Strategie zum Umgang mit un- und untergenutzten Gebäuden zu einer sukzessiven Wiederbelebung (leerstehende, unsanierte Wohngebäude und leerstehende unsanierte und sanierte Läden).

Bei der Gebäudesanierung in der Straße wird sowohl bei der Eigentümeraktivierung, Beratung und Unterstützung der Sanierung des bestehenden, meist denkmalgeschützten Altbaubestandes mit Fördermitteln auf eine energetische Sanierung hingewirkt – die Eigentümer sind für die Themen CO2-Emmissionen und Verringerung des Energieverbrauchs sensibilisiert. Im Rahmen der Gebäudesanierungen wurden die Gebäude nach den Standards der aktuellen Energieeinsparungsverordnung (EnEV) saniert und besitzen damit gegenüber dem Altbaubestand eine wesentlich günstigere CO2-Bilanz sowie geringere Nebenkosten im Hinblick auf die Wärmeversorgung. Die Gebäude in der Georg-Schwarz-Straße Nr. 12, 19 und 21 wurden mit KfW-Darlehen als Effizienzhaus Denkmal saniert, zwei davon Nr. 19 und 21 erwärmen das Brauchwasser mit einer Solaranlage.

Das Magistralenmanagement  (MM) ist mit einer bisher ausgeschriebenen Laufzeit bis 7/2015 mit dem Träger StadtLabor gesichert und wird den erprobten akteursbezogenen Ansatz fortsetzen. Die Zusammenarbeit von MM und Verwaltung sowie sonstiger Akteure in der Magistrale erfolgt im sog. Kernteam und der AG Gebäude. Beginnend mit 2014 stehen Workshops zur Verkehrssituation, insbesondere zum Umbau des hinteren Abschnitts der Georg-Schwarz-Straße, im Mittelpunkt der Zusammenarbeit.

Der Verfügungsfonds wird mit der Verabschiedung der Richtlinie vom 15.8.2011 eingesetzt.

Ein erster Sachstandsbericht zum Verfügungsfonds Georg-Schwarz-Straße wurde im April 2014 der SAB übergeben. Von 27 beantragten Projekten wurden 15 Projekte , die hauptsächlich auf die Revitalisierung der Erdgeschosszonen und der Ansiedlung neuer Läden abzielten, realisiert.

Die Straßenbahn-Haltestelle Diakonissenkrankenhaus wird als PPP-Projekt im wesentlichen über Fachfördermittel des Freistaat Sachsens, über die Leipziger Verkehrsbetriebe und privaten Mittel der Stadtbau AG und des Diakonissenkrankenhauses finanziert. Die Finanzmittel für die Planung des gestalterischen Mehraufwands im Umfeld der Haltestelle werden im SOP als Maßnahme im Fördertatbestand „Vorbereitende Erneuerung“ beibehalten.

2014  liegt die Handlungspriorität bei folgenden Maßnahmen:

  1. Sanierung von städtebaulich prägenden Gebäuden zur Revitalisierung der Wohnfunktion und von Ladenlokalen (GSS 21,7,11,93). Dabei geht es um eine anteilige Förderung der äußeren Hülle (40%).
  2. Vorbereitung für die folgenden Maßnahmen im öffentlichen Raum:
  3. Neugestaltung Haltestellen-/Gehwegbereich Leutzscher Rathaus/57. Schule
  4. (Schulhöfe werden parallel im Rahmen SUO umgestaltet)
  5. Umgestaltung der Einmündungsbereiche einiger Querstraßen (Auftakt Calvisiusstraße)
  6. Unterstützung von Ladenausbauten/Verschönerung durch den Verfügungsfonds bzw. andere kleinteilige Maßnahmen, die zu einer Revitalisierung der Geschäftsstraße beitragen.

Weitere Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten:
Magistralenmanagement Georg-Schwarz-Straße
Verfügungsfonds Georg-Schwarz-Straße
Stadt Leipzig